Studieren ohne Ausbildung und ohne Abitur
Die meisten Wege ohne Abitur setzen eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Fortbildung voraus. Hier steht, wo es Ausnahmen gibt und was du stattdessen tun kannst.
Kurz erklärt: Ohne abgeschlossene Berufsausbildung gibt es in der Regel keinen Zugang über Eignungsprüfung oder Probestudium. Ausnahmen betreffen künstlerische Studiengänge, Einzelfälle in Nordrhein-Westfalen und lange einschlägige Berufstätigkeit: fünf Jahre an der Universität Rostock in Mecklenburg-Vorpommern, nach Angaben des CHE auch fünf Jahre vergleichbare Tätigkeit in Niedersachsen. Realistisch sind zwei Wege: Abitur oder Fachhochschulreife nachholen oder eine Ausbildung abschließen und mit Berufspraxis studieren.
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Das Ergebnis vorab
Eignungsprüfung und Probestudium setzen in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus. Das gilt für Hamburg, Berlin, Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern, das Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ebenso wie an der FernUniversität in Hagen. In Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es eine Zugangsprüfung ohne Ausbildung nur für Personen mit ausländischem Bildungsnachweis, in Rheinland-Pfalz nur mit ausländischer Hochschulzugangsberechtigung.
Ausnahmen in einzelnen Ländern
- Nordrhein-Westfalen: In besonders begründeten Einzelfällen gibt es eine Zugangsprüfung bei mehrjähriger herausgehobener oder inhaltlich besonders anspruchsvoller Tätigkeit (§ 4 Absatz 6 BBHZVO). Außerdem berechtigt ein Meister- oder vergleichbarer Abschluss, der ausnahmsweise ohne Berufsausbildung erworben wurde, zum Studium in jedem Studiengang (§ 2 Absatz 2 BBHZVO).
- Niedersachsen: Für künstlerische Studiengänge können die Voraussetzungen durch den Nachweis einer überragenden künstlerischen Befähigung ersetzt werden (§ 18 Absatz 4 NHG). Sonst setzt die Eignungsprüfung eine mindestens zweijährige Ausbildung plus zwei Jahre Tätigkeit voraus; nach den Angaben des CHE genügen auch fünf Jahre einer mit einem Ausbildungsberuf vergleichbaren Tätigkeit.
- Schleswig-Holstein: In Kunst, Architektur, Musik, Darstellendem Spiel und Sport kann die Hochschule eine Eignungsprüfung oder besondere Zugangsvoraussetzungen vorsehen (§ 39 Absatz 6 HSG). Die Musikhochschule Lübeck und die Muthesius Kunsthochschule können bei künstlerischen Studiengängen außer Lehramt bei außerordentlicher Befähigung von der allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung abweichen (§ 100 HSG).
- Mecklenburg-Vorpommern: Die Universität Rostock lässt zur Zugangsprüfung auch zu, wer mindestens fünf Jahre beruflich tätig war; sonst gelten eine abgeschlossene Berufsausbildung und danach mindestens drei Jahre Tätigkeit. Die Tätigkeit muss im unmittelbaren Sachzusammenhang zum Studiengang stehen. Daneben erwähnt das Landesrecht eine Begabtenprüfung, ohne Voraussetzungen zu nennen.
- Baden-Württemberg: Das Landeshochschulgesetz erwähnt eine Begabtenprüfung; die Voraussetzungen nennt das Gesetz nicht. Die Eignungsprüfung setzt mindestens eine zweijährige Ausbildung voraus.
Für Kunst- und Musikhochschulen gilt häufig ein eigenes Eignungsverfahren, das die Hochschule regelt. Die Arbeitsagentur schreibt, dass manche Länder eine Begabtenprüfung für besonders begabte Berufstätige anbieten, ohne eine Länderliste zu nennen. Ob das für dein Fach gilt, erfährst du bei der Hochschule.
Mit Realschulabschluss oder mittlerer Reife studieren
Ein Realschulabschluss oder mittlerer Schulabschluss berechtigt allein nicht zum Studium. Er ist aber die Grundlage für zwei Wege. Der erste führt über die Berufsausbildung: Wer danach Berufspraxis sammelt oder eine Aufstiegsfortbildung macht, kommt je nach Land über die Zugangswege für beruflich Qualifizierte an die Hochschule. Hessen führt den mittleren Schulabschluss in Verbindung mit einer mindestens dreijährigen Berufsausbildung mit Gesamtnote 2,5 oder besser ausdrücklich als Hochschulzugangsberechtigung auf (§ 60 Abs. 2 Nr. 5 HessHG); sie gilt für Hochschulen für angewandte Wissenschaften und gestufte Studiengänge, nicht für Staatsexamen. Das Saarland verlangt zum mittleren Abschluss eine Ausbildung mit mindestens Note 2,5 oder 80 Punkten, Sachsen-Anhalt setzt den mittleren Abschluss in seinem Verfahren ebenfalls voraus, und Rheinland-Pfalz gewährt mit einer Berufsausbildung mit qualifiziertem Ergebnis den Zugang zu Hochschulen für angewandte Wissenschaften unmittelbar, zu Universitäten fachgebunden (§ 65 Abs. 2 HochSchG).
Der zweite Weg ist die Fachoberschule: In Bayern baut sie auf dem mittleren Abschluss auf. Mit bestandener Fachabiturprüfung nach der 12. Jahrgangsstufe erwirbt man die allgemeine Fachhochschulreife, nach der 13. Jahrgangsstufe die fachgebundene oder allgemeine Hochschulreife. Wer bereits eine Ausbildung hat, kann die Berufsoberschule besuchen. Welcher Weg sich lohnt, hängt davon ab, ob du schon arbeitest: Welcher Weg sich lohnt. Die Regeln deines Landes zeigt der Zugangs-Check.
Hochschulreife nachholen
Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es mehrere Wege, später die Fachhochschulreife oder das Abitur zu erwerben. Die Bildung ist Ländersache, die Bezeichnungen variieren:
- Abendgymnasium: Unterricht abends neben dem Beruf, typischerweise drei bis vier Jahre, teils mit Online-Teilnahme.
- Kolleg: Vollzeit am Tag, drei bis vier Jahre, also ohne Beruf.
- Berufsoberschule, Fachoberschule, Berufliches Gymnasium: Die Berufsoberschule dauert etwa zwei Jahre und setzt einen mittleren Schulabschluss und eine abgeschlossene Ausbildung voraus. Das Berufliche Gymnasium setzt ein Zeugnis mit bestimmtem Leistungsprofil voraus.
- Externenprüfung (Nichtschülerprüfung): Vorbereitung im Selbststudium oder in Kursen, danach die Prüfung; die Anmeldung läuft bei der Landesbehörde.
Öffentliche Schulen erheben in der Regel keine Schul- oder Prüfungsgebühren, private Anbieter und Fernlehrgänge sind meist kostenpflichtig. Beim BAföG hilft das: Der Erwerb der Zugangsvoraussetzungen über Abendschule, Kolleg, Nichtschülerprüfung oder Zugangsprüfung ist von der Altersgrenze ausgenommen, und der Besuch von Abendgymnasium oder Kolleg wird elternunabhängig gefördert. Mehr dazu: Finanzierung.
Bei privaten Fernlehrgängen ist wichtig: Fernlehrgänge brauchen nach dem Fernunterrichtsschutzgesetz grundsätzlich eine Zulassung durch die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht, ein Vertrag über einen nicht zugelassenen Lehrgang ist nichtig. Mehr: Fernstudium ohne Abitur.
Welcher Weg sich lohnt
Zwei Wege sind verbreitet. Wenn du bereits arbeitest und ein bestimmtes Fach im Blick hast, führt eine abgeschlossene Ausbildung in einem passenden Bereich mit Berufspraxis zum fachgebundenen Zugang: Mit Ausbildung und Berufserfahrung. Die allgemeine Hochschulreife öffnet jedes Fach; sie erreichst du über die Schulen oben oder über eine Aufstiegsfortbildung wie Meister, Fachwirt oder Techniker: Mit Meister, Mit Fachwirt oder Techniker.
Die Studienberatung der Hochschule und die Berufsberatung der Arbeitsagentur klären deinen Fall, wenn du keinen der Wege eindeutig zuordnen kannst. Anlaufstellen je Bundesland stehen unter Beratung zum Studium ohne Abitur.
Häufige Fragen: Studieren ohne Ausbildung
Kann ich ohne Berufsausbildung studieren?
Einen allgemeinen Zugang ohne abgeschlossene Berufsausbildung über eine Eignungs- oder Zugangsprüfung gibt es in der Regel nicht. Ausnahmen betreffen künstlerische Studiengänge, Nordrhein-Westfalen in besonders begründeten Einzelfällen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit fünf Jahren einschlägiger Tätigkeit.
Was ist eine Begabtenprüfung?
Ein Verfahren für besonders begabte Bewerber, vor allem an Kunst- und Musikhochschulen. 2022 kamen laut CHE-Arbeitspapier 491 Personen an Kunst- und Musikhochschulen über eine Begabtenprüfung ins Studium. In Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern wird sie in den Gesetzen erwähnt, die Voraussetzungen sind dort nicht näher beschrieben.
Reicht der Realschulabschluss für ein Studium?
Allein nicht. Ein mittlerer Schulabschluss ist keine Hochschulzugangsberechtigung. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und Berufspraxis führt er aber über die Wege für beruflich Qualifizierte ins Studium. Hessen nennt mittleren Abschluss mit mindestens dreijähriger Ausbildung und Gesamtnote 2,5 oder besser ausdrücklich als Zugang (für Hochschulen für angewandte Wissenschaften und gestufte Studiengänge, nicht für Staatsexamen), das Saarland und Sachsen-Anhalt setzen den mittleren Abschluss in ihren Verfahren voraus, das Saarland zusätzlich Note 2,5 oder 80 Punkte. Zu den Bundesländern
Kann ich das Abitur nachholen und dann studieren?
Ja. Abendgymnasium, Kolleg, Berufsoberschule, Fachoberschule, Berufliches Gymnasium und die Externenprüfung führen zur Fachhochschulreife oder zum Abitur. Öffentliche Schulen erheben in der Regel keine Schul- oder Prüfungsgebühren.
Ausbildung oder Hochschulreife nachholen?
Das hängt von deinem Ziel ab. Mit Ausbildung und Berufspraxis kommst du über die fachgebundene Berechtigung zum Studium; das dauert mindestens die Ausbildungszeit plus zwei bis drei Jahre Praxis. Eine Hochschulreife nachzuholen dauert an Abendgymnasium oder Kolleg typischerweise drei bis vier Jahre, an der Berufsoberschule etwa zwei Jahre, setzt dort aber eine abgeschlossene Ausbildung voraus.
Brauche ich in Hagen eine Berufsausbildung?
Ja. Auch an der FernUniversität in Hagen gibt es ohne Berufsausbildung keinen Zugang über diese Wege.
Quellen
- Hessisches Hochschulgesetz, § 60
- Hochschulgesetz Rheinland-Pfalz, § 65
- Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus: Fachoberschule
- CHE-Studienführer: Nordrhein-Westfalen
- CHE-Studienführer: Niedersachsen
- CHE-Studienführer: Schleswig-Holstein
- CHE-Studienführer: Baden-Württemberg
- CHE-Studienführer: Mecklenburg-Vorpommern
- Universität Rostock: Studieren ohne Abitur
- CHE-Arbeitspapier 2024: Studieren ohne Abitur
- Bundesagentur für Arbeit: Abitur nachholen, zweiter Bildungsweg
- FernUniversität in Hagen: Studieren ohne Abitur
- BAföG, § 10
- Fernunterrichtsschutzgesetz, § 1
- Weitere Landesgesetze: siehe die Seiten der Bundesländer.
Was gilt in deinem Fall?
Der Zugangs-Check zeigt in wenigen Schritten, welcher Weg in deinem Bundesland für dich gilt.