Studieren ohne Abitur: Bundesländer im Vergleich
Jedes Bundesland regelt den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte selbst. Der Vergleich zeigt, welcher Weg wo gilt und worin sich die Länder unterscheiden. Für Details wählst du dein Land.
Kurz erklärt: Der Meister und gleichgestellte Fortbildungen öffnen in allen 16 Ländern den Hochschulzugang, in den meisten für alle Fächer. Mit Berufsausbildung und Berufspraxis führt der Weg in der Regel über eine fachgebundene Berechtigung, eine Hochschulzugangsprüfung oder ein Probestudium. Wie viele Jahre Praxis verlangt werden und welches Verfahren gilt, legt jedes Land selbst fest.
Auf dieser Seite
Zugang mit Ausbildung und Berufspraxis nach Bundesland
| Bundesland | Ausbildung (Jahre) | Praxis (Jahre) | Verfahren |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 2 | 3 | Eignungsprüfung (schriftlich und mündlich), einmal jährlich |
| Bayern | 2 | 3 | Hochschulzugangsprüfung oder Probestudium |
| Berlin | 2 | – | Fachgebunden direkt, für andere Fächer Zugangsprüfung |
| Brandenburg | – | 2 | Antrag an die Hochschule, die den Zugang feststellt |
| Bremen | 2 | – | Bei dreijähriger Ausbildung fachgebunden, bei zweijähriger Eignungsprüfung oder Probestudium |
| Hamburg | – | 3 | Eingangsprüfung der Hochschule, nicht benotet |
| Hessen | 2 | 2 | Hochschulzugangsprüfung (Gespräch und schriftlicher Teil) |
| Mecklenburg-Vorpommern | 2 | 3 | Hochschulzugangsprüfung oder Probestudium |
| Niedersachsen | 3 | 3 | Studium muss dem Beruf fachlich nahestehen, Hochschulen ordnen zu |
| Nordrhein-Westfalen | 2 | 3 | Passendes Fach prüfungsfrei, anderes Fach Prüfung oder Probestudium |
| Rheinland-Pfalz | – | keine | Antrag auf Bescheinigung, keine Prüfung |
| Saarland | 3 | – | Hochschulzugangsprüfung oder Probestudium mit anschließender Eignungsfeststellung |
| Sachsen | 2 | 3 | Beratungsgespräch und Hochschulzugangsprüfung |
| Sachsen-Anhalt | 2 | 3 | Probestudium oder Feststellungsprüfung (schriftlich und mündlich) |
| Schleswig-Holstein | 2 | 3 | Hochschuleignungsprüfung, mündlich |
| Thüringen | 2 | 3 | Probestudium (an der Universität Erfurt zwei Semester) oder Eingangsprüfung |
Welcher Weg passt zu dir? Mit Meister, mit Fachwirt oder Techniker, mit Ausbildung und Berufserfahrung oder ohne Berufsausbildung.
Wie viel Berufspraxis wird verlangt?
Der KMK-Beschluss nennt als Regelfall mindestens drei Jahre Berufspraxis nach einer mindestens zweijährigen Ausbildung. Die Länder weichen davon ab:
- Drei Jahre verlangen Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.
- Zwei Jahre genügen in Brandenburg und Hessen.
- Keine Mindestpraxis nennt das Landesrecht für Rheinland-Pfalz.
- Nicht landesweit geregelt ist die Mindestdauer in Berlin, Bremen und Saarland. Dort regeln Verordnungen oder Hochschulen die Einzelheiten, bei Berlin ist die frühere Praxisanforderung für die fachgebundene Berechtigung seit 2021 entfallen.
Mit dem Aufstiegsstipendium des Bundes genügen nach dem KMK-Beschluss zwei statt drei Jahre. Zeiten der Kindererziehung und der Pflege von Angehörigen können je nach Land und Hochschule auf die Berufspraxis angerechnet werden.
Prüfung, Probestudium oder Beratung: Was gilt wo?
Wer keinen Meister oder keine gleichgestellte Fortbildung hat, weist die Studierfähigkeit je nach Land auf unterschiedlichen Wegen nach. Eine Hochschulzugangs- oder Eingangsprüfung mit schriftlichem und mündlichem Teil gibt es in den meisten Ländern, die Hochschulen gestalten sie selbst. Ein Probestudium als Alternative sehen die Landesregeln und die Länderübersicht des CHE für Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen vor. In Berlin, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen ist es nicht vorgesehen. Das Probestudium dauert meist zwei bis vier Semester, teils nur in zulassungsfreien Studiengängen, und führt bei bestandenen Leistungen zur Zugangsberechtigung.
Ein Beratungsgespräch an der Hochschule sehen die Regeln unter anderem für Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen vor, als Pflicht, als Voraussetzung des Zugangs oder als Nachweis für die Bewerbung. Wo das Land selbst das Gespräch vorschreibt und wo nur einzelne Hochschulen einen Nachweis verlangen, zeigt die Übersicht Beratung zum Studium ohne Abitur. Es lohnt sich auch dort, wo es nicht Pflicht ist: Die Hochschule sagt dir, welches Verfahren für deinen Studiengang gilt.
Wie unterschiedlich die Verfahren innerhalb einer Stadt ausfallen, zeigt das Beispiel Studieren ohne Abitur in München. Die Regeln zur Anrechnung beruflicher Leistungen stehen unter Berufserfahrung anrechnen.
Zulassungsbeschränkte Fächer und Quoten für beruflich Qualifizierte
Die Zugangsberechtigung erlaubt dir, dich zu bewerben. In Fächern mit Numerus clausus entscheidet zusätzlich das Auswahlverfahren. Einige Länder reservieren dafür eine Vorabquote für beruflich Qualifizierte. Beispiele aus den Landesregelungen:
- Bayern: 3 bis 10 Prozent der Plätze, ohne Festlegung der Hochschule gelten 5 Prozent.
- Sachsen: 0,5 Prozent der Zulassungszahlen je Studienort, mindestens ein Platz je Studiengang.
- Hessen: Vorabquote von einem Prozent in Studiengängen mit staatlicher Prüfung, Auswahl nach der Durchschnittsnote der Berechtigung.
- Niedersachsen: Vorabquote nach Anteil an den Bewerbungen, höchstens 10 Prozent der Studienplätze.
- Hamburg: 3 Prozent der Studienplätze.
- Nordrhein-Westfalen: keine eigene Quote für Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie, bei Orts-NC entscheidet ein hochschuleigenes Auswahlverfahren.
Wie das in einzelnen Fächern aussieht, zeigen die Ratgeber zu Studiengängen ohne Abitur.
Fachgebunden oder allgemein: Was ist der Unterschied?
Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung gilt für jedes Studienfach, so wie das Abitur. Sie erhalten Meister, Fachwirte, Betriebswirte und staatlich geprüfte Techniker durch ihren Abschluss. Eine fachgebundene Berechtigung gilt nur für Studiengänge, die fachlich zu deiner Ausbildung passen. Ob ein Studiengang „passt“, beurteilt die Hochschule im Einzelfall, manche Hochschulen führen dafür Listen anerkannter Ausbildungsberufe. In einzelnen Ländern lässt sich die Fachbindung durch eine Zugangsprüfung aufheben.
Wechsel in ein anderes Bundesland
Landesspezifische Berechtigungen gelten nach dem KMK-Beschluss bundesweit erst nach einem Jahr erfolgreichen Studiums und dann für dasselbe oder ein verwandtes Fach. Die Länder regeln das teils abweichend, zum Beispiel nennen Brandenburg, Hessen und Niedersachsen zwei Semester beziehungsweise Leistungspunkte, die Einzelheiten stehen auf den Länderseiten. Ein Probestudium, das abweichend von den Mindestvoraussetzungen zugelassen wurde, wird dabei nicht angerechnet. Wer das Bundesland wechseln will, prüft vorab die Regeln des Ziellandes. Viele Länder regeln das Weiterstudium im gleichen oder einem verwandten Fach ausdrücklich, zum Beispiel Bayern, Berlin, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern: Wo, steht unter „Wechsel aus einem anderen Bundesland“ auf der jeweiligen Länderseite.
Studierende ohne Abitur in Zahlen
Nach Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2024, ausgewertet vom Centrum für Hochschulentwicklung, studierten rund 70.000 Menschen ohne Hochschul- oder Fachhochschulreife. Das entspricht 2,4 Prozent aller Studierenden, ebenso viel wie im Vorjahr. Rund 13.000 Studienanfänger kamen beruflich qualifiziert an die Hochschule, 2,7 Prozent aller Anfänger. Im selben Jahr schlossen 10.270 beruflich Qualifizierte ein Bachelor- oder Masterstudium ab, erstmals mehr als 10.000. Seit 2009 haben damit insgesamt 104.941 beruflich Qualifizierte einen Hochschulabschluss erworben.
Zwischen den Ländern liegen große Unterschiede. Nach einem älteren CHE-Arbeitspapier mit Daten für 2022 hatte Thüringen mit 8,5 Prozent den höchsten Anteil beruflich Qualifizierter unter den Studienanfängern, Brandenburg und Baden-Württemberg gehörten mit 1,2 und 1,5 Prozent zu den niedrigsten. Der Weg ohne Abitur ist selten, und wie häufig er genutzt wird, hängt stark vom Land ab. Welche Hochschulen bundesweit Studiengänge für beruflich Qualifizierte führen, zeigt auch der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz: Studieren ohne Abitur: Informationen der Bundesländer.
Häufige Fragen zum Ländervergleich
Was bedeutet fachgebundener Hochschulzugang?
Fachgebunden heißt: Du darfst nur Studiengänge belegen, die fachlich zu deiner Ausbildung und Berufspraxis passen. Ein allgemeiner Hochschulzugang gilt dagegen für alle Fächer. Der Meister öffnet in den meisten Ländern den allgemeinen Zugang, die Ausbildung mit Berufserfahrung meist nur den fachgebundenen.
In welchem Bundesland ist der Zugang ohne Abitur am einfachsten?
Es gibt kein „einfachstes“ Land, weil Praxisdauer, Verfahren und Beratungspflicht zusammen zählen. In Rheinland-Pfalz ist nach dem Ministerium in der Regel keine Mindestpraxis nötig, in Brandenburg und Hessen genügen zwei Jahre, in 10 Ländern gelten drei Jahre. Entscheidend ist am Ende oft die Hochschule, an der du studieren willst.
Gilt meine Zugangsberechtigung in jedem Bundesland?
Nicht automatisch. Nach dem KMK-Beschluss gelten landesspezifische Berechtigungen bundesweit erst, nachdem du ein Jahr erfolgreich studiert hast, und dann für dasselbe oder ein verwandtes Fach. Wer das Land wechseln will, klärt das vorher mit der Zielhochschule.
Wer legt die Regeln für das Studium ohne Abitur fest?
Die Bundesländer in ihren Hochschulgesetzen und Verordnungen, auf Grundlage eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009. Einzelheiten wie Prüfungsaufbau und Beratung regeln zusätzlich die Hochschulen in ihren Satzungen.
Quellen
- CHE-Meldung zum CHECK Studieren ohne Abitur 2026 (idw)
- CHE-Arbeitspapier: Studieren ohne Abitur 2024
- Hochschulrektorenkonferenz: Hochschulkompass
- KMK-Beschluss vom 06.03.2009: Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber
- CHE: Online-Studienführer Studieren ohne Abitur, Häufige Fragen
- Landesgesetze und Quellen je Land: siehe die Seiten der Bundesländer in der Tabelle.
Was gilt in deinem Fall?
Der Zugangs-Check zeigt in wenigen Schritten, welcher Weg in deinem Bundesland für dich gilt.