Studieren ohne Abitur an der LMU München
Die Ludwig-Maximilians-Universität trennt zwei Wege: den allgemeinen Zugang für Meister und Fachschulabsolventen und den fachgebundenen Zugang für Berufserfahrene, der eine Prüfung der LMU verlangt. Beide setzen ein Beratungsgespräch voraus.
Kurz erklärt: Meister, gleichgestellte Fortbildungen und Fachschulabschlüsse führen an der LMU ohne Hochschulzugangsprüfung zum allgemeinen Hochschulzugang, sobald das Beratungsgespräch absolviert ist. Wer eine mindestens zweijährige Ausbildung und in der Regel drei Jahre Berufspraxis mitbringt, erhält den fachgebundenen Zugang für einen bestimmten Studiengang, nachdem er die Hochschulzugangsprüfung der LMU bestanden hat.
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Zwei Wege an die LMU
Welcher Weg gilt, hängt vom höchsten beruflichen Abschluss ab. Beide enden mit einer Bescheinigung der Studentenkanzlei, die du bei der Bewerbung vorlegst. Die Rechtsgrundlage ist die bayerische Qualifikationsverordnung, die für Meister und Gleichgestellte den allgemeinen und für Berufserfahrene den fachgebundenen Zugang regelt. Wie das Land insgesamt vorgeht, steht auf der Seite Studieren ohne Abitur in Bayern.
Allgemeiner Zugang: Meister, Fortbildung, Fachschule
Den allgemeinen Zugang erhältst du mit einer bestandenen Meisterprüfung, mit einer vom bayerischen Kultusministerium gleichgestellten beruflichen Fortbildungsprüfung oder mit dem Abschluss einer öffentlichen oder staatlich anerkannten Fachschule oder Fachakademie. Bei der Fortbildung müssen die vorbereitenden Lehrgänge insgesamt mindestens 400 Stunden umfassen, die LMU verlangt dafür einen Stundennachweis. Gleichwertig gelten auch bestimmte Fortbildungsabschlüsse im Gesundheitswesen und in sozialpflegerischen oder sozialpädagogischen Berufen. Bei Meisterprüfung, Fortbildung und den Abschlüssen im Gesundheits- und Sozialbereich muss das Zeugnis eine Durchschnittsnote ausweisen.
Auf der LMU-Seite steht keine Beschränkung auf bestimmte Studiengänge. Eine Eignungsprüfung oder ein Eignungsfeststellungsverfahren, das das Hochschulgesetz für einzelne Studiengänge vorsieht, bleibt neben dem allgemeinen Zugang bestehen. Bei zulassungsbeschränkten Fächern kommt das jeweilige Bewerbungsverfahren hinzu.
Fachgebundener Zugang: Ausbildung, Praxis, Prüfung
Der fachgebundene Zugang richtet sich an Berufstätige mit Ausbildung und Berufspraxis. Du brauchst eine erfolgreich abgeschlossene, mindestens zweijährige Berufsausbildung und danach in der Regel mindestens drei Jahre hauptberufliche Berufspraxis, beides in einem Bereich, der zum gewünschten Studiengang fachlich verwandt ist. Bei einem Aufstiegsstipendium des Bundes genügen zwei Jahre Praxis. Teilzeit zählt als hauptberuflich, wenn sie mindestens der Hälfte der regelmäßigen Vollzeit entspricht. Die Praxis zählt erst ab dem Abschluss der Ausbildung, sie muss nicht lückenlos anschließen und darf bei verschiedenen Arbeitgebern gesammelt sein.
Der Zugang gilt für den Studiengang, für den du ihn beantragst, und nach den Angaben der LMU nur für bestimmte Studiengänge an Universitäten. Eine Liste zugelassener oder ausgeschlossener Fächer veröffentlicht die LMU auf ihrer Seite nicht. Ob deine Ausbildung zum Fach passt, stellt die Hochschule fest, an der du studieren willst. Eine Orientierung bieten die Beispiele unter Beruf und passendes Studium.
Das Pflicht-Beratungsgespräch an der LMU
Ohne Beratungsgespräch stellt die LMU keine Bescheinigung aus, das gilt für beide Wege. Es findet bei der Zentralen Studienberatung statt, nach den Angaben der LMU als Gruppenberatung für qualifizierte Berufstätige per Videocall. Die Anmeldung läuft online über ein Buchungstool, dort musst du Namen und Geburtsdatum angeben, weil die Beratungsbestätigung personalisiert ausgestellt wird.
Die Bestätigung bekommst du nicht ausgehändigt. Sie geht direkt an die Studentenkanzlei und erscheint nur dann in deiner Bescheinigung über den Hochschulzugang, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Beim allgemeinen Zugang trägt die LMU als Datum des Erwerbs den Tag des Beratungsgesprächs ein. Wer bereits einen ersten deutschen Hochschulabschluss hat, gilt als Zweitstudierender und braucht keine Beratungsbescheinigung.
Gilt die LMU-Bescheinigung an anderen Hochschulen?
Nach den Angaben der LMU gilt der Hochschulzugang für qualifizierte Berufstätige zunächst nur an der ausstellenden Hochschule. An anderen bayerischen Hochschulen kannst du nachfragen, ob der LMU-Bescheid anerkannt wird, in anderen Bundesländern ist ein neuer Antrag nötig. Die bayerische Qualifikationsverordnung sagt dazu zweierlei: Beim allgemeinen Zugang erkennen andere Hochschulen ein von einer bayerischen Hochschule bescheinigtes Gespräch an, beim fachgebundenen Zugang muss das Gespräch an der Hochschule stattfinden, an der du studieren willst. Weil die Formulierungen auseinanderlaufen, lohnt die Nachfrage vor dem Termin. Wenn vor einem Bewerbungsschluss für ein zulassungsbeschränktes Fach wenig Zeit bleibt, rät die LMU, das Gespräch gleich an der anderen Hochschule zu führen.
Wer in Bayern berät und wie du dich auf das Gespräch vorbereitest, zeigt die Übersicht Beratung in Bayern. Die nötigen Papiere stehen in der Unterlagen-Checkliste.
Hochschulzugangsprüfung der LMU
Die Prüfung betrifft nur den fachgebundenen Weg. Zugelassen wirst du, wenn Ausbildung, Berufspraxis und Beratungsgespräch vorliegen, bei der Praxis genügen zum Prüfungstermin zwei Drittel, mehr dazu unter Sonderfälle. Nach Ablauf der Antragsfrist lädt die jeweilige Fakultät zur Prüfung ein, einen einheitlichen Termin gibt es nicht. Bei zulassungsbeschränkten Studiengängen muss die Prüfung nach den Angaben der LMU so rechtzeitig stattfinden, dass die Bewerbung noch möglich ist.
Die Qualifikationsverordnung beschreibt die Prüfung als schriftlich und mündlich; sie umfasst die wesentlichen allgemeinbildenden und fachlichen Grundlagen des Studiums, Einzelheiten regelt die Hochschule in einer Satzung. Prüfungsinhalte und Ablauf erfährst du in der Regel bei der Fachstudienberatung deines Studiengangs. Eine Prüfung, die du an einer anderen Hochschule bestanden hast, erkennt die LMU nicht an, die FAQ nennt als Beispiel Augsburg.
Wer durchfällt, kann die Prüfung einmal wiederholen, aber nicht vor dem nächsten regulären Prüftermin. Dafür ist ein neuer Antrag auf Feststellung des fachgebundenen Hochschulzugangs nötig.
Und das Probestudium?
Die bayerische Qualifikationsverordnung sieht statt der Prüfung ein Probestudium vor, in der Regel von zwei bis drei Semestern, je nach Angebot der Hochschule. Auf der Zugangsseite der LMU kommt es nicht vor, dort steht nur die Hochschulzugangsprüfung. Ob die LMU ein Probestudium für deinen Studiengang anbietet, klärt die Studienberatung.
Unterlagen für den Antrag
Anträge und Unterlagen gehen an die Studentenkanzlei. Die Antragsfrist ist laut LMU eine Ausschlussfrist, die Termine stehen auf der Seite der Hochschule. Das Antragsformular ist vollständig auszufüllen und eigenhändig zu unterschreiben.
Allgemeiner Zugang
- Antragsformular der LMU
- Zeugnis in amtlich oder öffentlich beglaubigter Abschrift: Meisterprüfung oder gleichgestellte Fortbildung mit Durchschnittsnote, bei Fortbildungen mit Nachweis über mindestens 400 Lehrgangsstunden, oder Abschlusszeugnis und Urkunde der Fachschule oder Fachakademie
- die weiteren Nachweise, die die LMU auf ihrer Seite nennt
Fachgebundener Zugang
- Antragsformular der LMU und tabellarischer Lebenslauf
- Zeugnis über die mindestens zweijährige Berufsausbildung im fachlich verwandten Bereich, bei ausländischer Ausbildung mit Gleichwertigkeitsbescheinigung der zuständigen Kammer
- Ausbildungsordnung des erlernten Berufs mit Berufsbezeichnung, Dauer, Berufsbild und Prüfungsanforderungen als einfache Abschrift
- falls das Zeugnis die Ausbildungsdauer nicht ausweist, ein gesonderter Nachweis darüber
- Nachweis über die hauptberufliche Berufspraxis, zum Beispiel Arbeitszeugnis oder Arbeitgeberbescheinigung mit den ausgeübten Tätigkeiten und einer Arbeitszeit von mindestens der Hälfte der Vollzeit, ein Arbeitsvertrag genügt nicht
Soll der Arbeitgeber nichts von den Studienplänen erfahren, nennt die LMU in ihrer FAQ eine Alternative zum Tätigkeitsnachweis: in der Regel Gehaltsnachweise, etwa Lohnsteuerbescheinigungen über drei Jahre, auf denen nicht relevante Angaben geschwärzt sein dürfen.
Zulassungsbeschränkte Studiengänge und Medizin
Die Bescheinigung ist keine Zusage für einen Studienplatz. Je nach Studiengang folgen Bewerbung oder Voranmeldung. Bei örtlich zulassungsbeschränkten Fächern gibt es an der LMU eine Sonderquote für qualifizierte Berufstätige. Berücksichtigt wird die Note, also die Durchschnittsnote des beruflichen Abschlusses oder die Note der Hochschulzugangsprüfung. Die Wartezeit zählt nicht mehr als Kriterium. In Psychologie bleibt der Studieneignungstest bei dieser Quote unberücksichtigt.
Für Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie gibt es keine eigene Quote für qualifizierte Berufstätige. Du konkurrierst mit Abiturienten und anderen beruflich Qualifizierten. In einzelnen Quoten bringen erfolgreich absolvierte Tests Zusatzpunkte, und eine eng verwandte Berufsausbildung kann in der zusätzlichen Eignungsquote und, außer bei Pharmazie, im Auswahlverfahren der Hochschulen Punkte bringen. Welche Ausbildungen als einschlägig gelten, führt hochschulstart.de auf. Mehr dazu unter Medizin und Pharmazie ohne Abitur und Psychologie ohne Abitur.
Sonderfälle
- Berufspraxis zum Stichtag: Zur Hochschulzugangsprüfung müssen nach den Angaben der LMU zwei Drittel der geforderten Praxis vorliegen. Die vollen drei Jahre müssen bei zulassungsbeschränkten Studiengängen zum Bewerbungsschluss erfüllt sein, bei zulassungsfreien zur Einschreibung. Die LMU bittet, das jeweils aktuell zu prüfen.
- Erzieherinnen und Erzieher im Berufspraktikum: Ein Studium im selben Jahr ist in der Regel möglich. Ein vorläufiges Zeugnis mit allen Noten wird nachgereicht, die Einschreibung ist bis zum endgültigen Zeugnis vorläufig.
- Fachhochschulreife und Ausbildung: Die Fachhochschulreife wird nicht verrechnet. An der Universität kannst du erst nach drei Jahren Berufspraxis nach der Ausbildung studieren.
- Abitur und Berufsqualifikation: Wer beides hat, wählt, mit welcher Berechtigung er sich bewirbt.
- Ausländische Berufsabschlüsse: Die LMU rät, sie in Deutschland anerkennen zu lassen, oft über die IHK. Für den fachgebundenen Zugang zählen sie nur, wenn die in Bayern zuständige Stelle beteiligt war.
- Gast- und Seniorenstudium: Es gelten dieselben Anforderungen, beim fachgebundenen Zugang auch die Prüfung. Nach erfolgreichem fachgebundenem Zugang kannst du dort auch Vorlesungen anderer Fächer besuchen.
- Späterer Studienbeginn: Die Bescheinigung verfällt laut LMU nicht, außer die Gesetzeslage ändert sich wesentlich. Du kannst den Antrag also vorab stellen.
Beachte bei zulassungsbeschränkten Fächern die späte Zusage: Die LMU weist darauf hin, dass sich eine Zusage mit einer regulären Kündigungsfrist im Beruf schwer vereinbaren lässt.
Häufige Fragen: LMU ohne Abitur
Brauche ich an der LMU eine Prüfung, wenn ich Meister bin?
Nein, eine Hochschulzugangsprüfung entfällt. Meister, gleichgestellte Fortbildungen und Fachschulabschlüsse führen zum allgemeinen Hochschulzugang. Du brauchst das Beratungsgespräch und die Bescheinigung der Studentenkanzlei, aber keine Hochschulzugangsprüfung.
Ist das Beratungsgespräch an der LMU Pflicht?
Ja, für beide Wege. Es findet bei der Zentralen Studienberatung statt, die Anmeldung läuft online. Die Bestätigung geht direkt an die Studentenkanzlei.
Wie lange muss ich für den fachgebundenen Zugang gearbeitet haben?
In der Regel mindestens drei Jahre hauptberuflich nach der Ausbildung, in einem fachlich verwandten Bereich. Mit Aufstiegsstipendium genügen zwei Jahre. Teilzeit zählt ab der Hälfte der Vollzeit.
Kann ich die Hochschulzugangsprüfung an einer anderen Hochschule ablegen?
Für die LMU nicht. Eine an einer anderen Hochschule bestandene Prüfung erkennt die LMU nicht an, die Prüfung ist an der LMU abzulegen.
Gilt die LMU-Bescheinigung auch an anderen Hochschulen?
Zunächst nur an der LMU. An anderen bayerischen Hochschulen kannst du nachfragen, ob sie anerkannt wird, in anderen Ländern ist ein neuer Antrag nötig.
Kann ich an der LMU Medizin ohne Abitur studieren?
Ja, wie alle anderen Bewerbenden über das Auswahlverfahren. Es gibt keine eigene Quote für qualifizierte Berufstätige, du konkurrierst mit den übrigen Bewerbern. Eine einschlägige Ausbildung kann Punkte bringen. Medizin ohne Abitur
Weitere Hochschulen in München
Die Verfahren der Münchner Hochschulen unterscheiden sich in Prüfung und Nachweisen. Den Vergleich zeigt Studieren ohne Abitur in München, Hinweise zur Anrechnung von Ausbildung und Berufspraxis stehen unter Berufserfahrung anrechnen.
Quellen
- LMU: Hochschulzugang für qualifizierte Berufstätige
- LMU: Hochschulzugangsberechtigung
- LMU: FAQ für qualifizierte Berufstätige
- LMU: Informationen und Veranstaltungen der Zentralen Studienberatung
- LMU: Zentrale Studienberatung
- LMU: Studentenkanzlei
- Bayerische Qualifikationsverordnung, Abschnitt 4
- Qualifikationsverordnung § 29: Allgemeiner Hochschulzugang
- Qualifikationsverordnung § 30: Fachgebundener Hochschulzugang
- Qualifikationsverordnung § 31: Hochschulzugangsprüfung
- Qualifikationsverordnung § 32: Probestudium
Was gilt in deinem Fall?
Der Zugangs-Check zeigt in wenigen Schritten, welcher Weg in deinem Bundesland für dich gilt.